Innenohrentzündung kann das Gleichgewichtsorgan und in manchen Fällen auch das Hörorgan im Innenohr betreffen. Besonders typisch sind plötzlich auftretender Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Wenn zusätzlich eine Hörminderung oder Ohrgeräusche auftreten, kann dies darauf hinweisen, dass neben dem Gleichgewichtssystem auch Strukturen des Innenohrs betroffen sind.
Der medizinische Begriff Labyrinthitis bezeichnet eine Entzündung des sogenannten Labyrinths im Innenohr. Das Innenohr enthält unter anderem die Hörschnecke, die für die Verarbeitung von Schall zuständig ist, sowie das Gleichgewichtsorgan. Eine Entzündung in diesem Bereich kann deshalb sowohl das Hören als auch das Gleichgewicht beeinträchtigen.
Nicht jeder plötzlich auftretende Schwindel ist jedoch eine Innenohrentzündung. Auch andere Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung wichtig, insbesondere wenn der Schwindel erstmals sehr stark auftritt oder gleichzeitig eine plötzliche Hörminderung besteht.
Was ist eine Innenohrentzündung?
Bei einer Innenohrentzündung handelt es sich um eine Entzündung von Strukturen des Innenohrs. In der Medizin wird häufig der Begriff Labyrinthitis verwendet. Das Innenohr liegt geschützt im Schädelknochen und besteht unter anderem aus der Cochlea, also der Hörschnecke, sowie dem Vestibularapparat, der für die Wahrnehmung von Bewegungen und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zuständig ist.
Eine Entzündung kann die normale Funktion dieser empfindlichen Strukturen beeinträchtigen. Werden vor allem die Gleichgewichtsorgane beeinflusst, können erheblicher Drehschwindel und Gangunsicherheit entstehen. Ist auch die Hörfunktion betroffen, können zusätzlich Hörverlust oder Ohrgeräusche auftreten.
Von einer Innenohrentzündung ist die Mittelohrentzündung zu unterscheiden. Eine Mittelohrentzündung betrifft einen anderen Bereich des Ohres und verursacht häufig Ohrenschmerzen, Druckgefühl und gegebenenfalls Fieber. Die Beschwerden und die Behandlung unterscheiden sich daher.
Auch die sogenannte Vestibularisneuritis, also eine Entzündung beziehungsweise Funktionsstörung des Gleichgewichtsnervs, ist nicht dasselbe wie eine klassische Labyrinthitis. Bei einer Vestibularisneuritis steht meist ausgeprägter Schwindel im Vordergrund, während das Hörvermögen typischerweise nicht beeinträchtigt ist.
Symptome einer Innenohrentzündung
Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Besonders charakteristisch sind Symptome, die das Gleichgewichtssystem betreffen.
Typische Anzeichen einer Innenohrentzündung können sein:
- plötzlich einsetzender Drehschwindel
- ausgeprägte Gleichgewichtsstörungen
- unsicheres Gehen und Stehen
- Übelkeit
- Erbrechen
- unwillkürliche Augenbewegungen, sogenannter Nystagmus
- Hörminderung
- Ohrgeräusche oder Tinnitus
- gelegentlich ein Druck- oder Völlegefühl im Ohr
Der Schwindel kann sehr intensiv sein und dazu führen, dass Betroffene zunächst kaum sicher stehen oder gehen können. Häufig verstärken Bewegungen des Kopfes die Beschwerden.
Wenn eine Hörminderung auftritt, sollte diese besonders ernst genommen werden. Eine plötzlich auftretende einseitige Hörminderung kann verschiedene Ursachen haben und muss zeitnah ärztlich untersucht werden. Nicht jede plötzliche Hörminderung ist eine Innenohrentzündung.
Wie entsteht eine Innenohrentzündung?
Eine Labyrinthitis kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig wird ein Zusammenhang mit Infektionen angenommen. Virale Infektionen können beispielsweise nach oder im Zusammenhang mit einem Atemwegsinfekt auftreten. Bakterielle Entzündungen des Innenohrs sind seltener, können aber schwerwiegend sein.
Eine bakterielle Beteiligung kann unter anderem entstehen, wenn sich eine Infektion aus angrenzenden Bereichen des Ohres oder über andere Wege auf das Innenohr ausbreitet. Welche Ursache tatsächlich vorliegt, lässt sich jedoch nicht allein anhand der Symptome feststellen.
Auch andere entzündliche oder immunologische Prozesse können Erkrankungen des Innenohrs verursachen. Deshalb sollte bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden eine HNO-ärztliche Abklärung erfolgen.
Ist eine Innenohrentzündung ansteckend?
Eine Innenohrentzündung selbst wird nicht einfach von Mensch zu Mensch übertragen. Entscheidend ist vielmehr die zugrunde liegende Ursache.
Wenn beispielsweise ein Virusinfekt der Auslöser oder ein vorausgehender Faktor ist, kann die jeweilige Infektion ansteckend sein. Die daraus entstehende Innenohrentzündung ist jedoch keine eigenständige ansteckende Erkrankung im üblichen Sinne.
Ob eine Ansteckungsgefahr besteht, hängt deshalb davon ab, welche Infektion vorliegt. Bei gleichzeitig bestehenden Erkältungs- oder Grippesymptomen gelten die üblichen Hygienemaßnahmen, beispielsweise regelmäßiges Händewaschen und das Vermeiden engen Kontakts zu besonders gefährdeten Personen.
Diagnose: Wie wird eine Innenohrentzündung festgestellt?
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden. Der Arzt oder die Ärztin fragt beispielsweise, wann der Schwindel begonnen hat, wie lange einzelne Beschwerden anhalten und ob gleichzeitig Hörverlust, Ohrgeräusche, Ohrenschmerzen, Fieber oder andere Symptome bestehen.
Anschließend erfolgt eine Untersuchung des Ohres. Je nach Situation können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Dazu können gehören:
- Hörprüfung
- Untersuchung der Augenbewegungen
- Gleichgewichts- und Funktionstests
- neurologische Untersuchung
- gegebenenfalls bildgebende Verfahren
Eine wichtige Aufgabe der ärztlichen Untersuchung besteht darin, andere Ursachen für akuten Schwindel auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise gutartiger Lagerungsschwindel, Morbus Menière oder Erkrankungen des Gehirns und der Blutgefäße.
Insbesondere bei einem erstmalig auftretenden, sehr starken Schwindel muss auch an neurologische Ursachen gedacht werden. Ein Schlaganfall kann in bestimmten Fällen ähnliche Symptome verursachen. Deshalb sollte ein plötzlich auftretender starker Schwindel nicht automatisch als Innenohrentzündung eingeordnet werden.
Innenohrentzündung und Hörverlust
Das Auftreten einer Hörminderung ist bei der Beurteilung besonders wichtig. Die Hörschnecke befindet sich im Innenohr und enthält hochspezialisierte Sinneszellen, die Schallwellen in elektrische Signale umwandeln.
Wird das Hörsystem durch eine Entzündung beeinträchtigt, kann eine Hörminderung entstehen. Auch Ohrgeräusche können auftreten.
Eine plötzlich bemerkte Hörminderung auf einem Ohr sollte grundsätzlich zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Je nach Ursache kann eine schnelle Behandlung entscheidend sein. Eine Selbstdiagnose anhand von Internetinformationen ist in dieser Situation nicht ausreichend.
Behandlung einer Innenohrentzündung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den vorhandenen Beschwerden. Eine einheitliche Therapie für jede Innenohrentzündung gibt es daher nicht.
Bei einer vermuteten viralen Ursache steht häufig die Behandlung der Beschwerden und die Unterstützung der Erholung im Vordergrund. Medikamente gegen Schwindel oder Übelkeit können vorübergehend eingesetzt werden. Sie sollten jedoch nicht länger als notwendig verwendet werden, weil eine längere Unterdrückung der Gleichgewichtssignale die zentrale Anpassung des Gleichgewichtssystems beeinträchtigen kann.
Bei einer bakteriellen Ursache können Antibiotika erforderlich sein. Welche Behandlung notwendig ist, hängt von der vermuteten Infektionsquelle und vom Schweregrad der Erkrankung ab.
Kortison kann bei bestimmten Erkrankungen des Innenohrs beziehungsweise bei plötzlicher Hörminderung eine Rolle spielen. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.
Bei starkem Schwindel ist außerdem die ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, insbesondere wenn häufiges Erbrechen besteht.
Gleichgewichtstraining und Rehabilitation
Nach einer Erkrankung des Gleichgewichtssystems können Beschwerden noch einige Zeit bestehen bleiben, obwohl die ursprüngliche Entzündung bereits abgeklungen ist.
Das Gehirn besitzt die Fähigkeit, Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan, den Augen und den Rezeptoren von Muskeln und Gelenken neu miteinander zu verarbeiten. Dieser Anpassungsprozess wird als zentrale Kompensation bezeichnet.
Bei länger anhaltenden Gleichgewichtsstörungen kann eine vestibuläre Rehabilitation sinnvoll sein. Dabei werden gezielte Übungen eingesetzt, um die Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen zu trainieren.
Zu den Übungen können beispielsweise kontrollierte Kopfbewegungen, Blickstabilisationsübungen und Gleichgewichtsübungen gehören. Die Auswahl sollte sich nach der jeweiligen Diagnose und dem Zustand der betroffenen Person richten.
Wie lange dauert eine Innenohrentzündung?
Der Verlauf kann von Mensch zu Mensch erheblich variieren. Besonders starker Schwindel ist häufig in der Anfangsphase ausgeprägt. Danach kann sich das Gleichgewicht schrittweise verbessern.
Auch wenn der akute Schwindel nachlässt, können Unsicherheit beim Gehen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber schnellen Kopfbewegungen noch längere Zeit bestehen bleiben.
Eine eventuell entstandene Hörminderung kann einen anderen Verlauf nehmen als die Gleichgewichtsstörung. Ob und in welchem Umfang sich das Hörvermögen verbessert, hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung ab.
Eine pauschale Aussage wie „eine Innenohrentzündung dauert genau eine bestimmte Anzahl von Tagen“ wäre deshalb medizinisch nicht korrekt.
Was kann man selbst bei einer Innenohrentzündung tun?
Bei starkem Schwindel sollte zunächst auf Sicherheit geachtet werden. Betroffene sollten sich langsam bewegen und Situationen vermeiden, bei denen ein Sturz möglich ist.
Solange Schwindel besteht, sollten Tätigkeiten wie Autofahren, Arbeiten auf Leitern oder das Bedienen gefährlicher Maschinen vermieden werden.
Ausreichendes Trinken kann insbesondere bei Übelkeit und Erbrechen wichtig sein. Ruhe kann während der akuten Phase hilfreich sein. Sobald es der Zustand erlaubt und keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann vorsichtige Bewegung zur Erholung des Gleichgewichtssystems beitragen.
Medikamente sollten entsprechend der ärztlichen Empfehlung eingenommen werden. Eine eigenständige Einnahme von Antibiotika oder Kortison ist nicht sinnvoll.
Wann sollte man zum Arzt?
Eine ärztliche Untersuchung ist besonders wichtig, wenn Schwindel neu, stark oder anhaltend ist. Gleiches gilt bei einer gleichzeitig auftretenden Hörminderung oder starken Ohrgeräuschen.
Sofortige medizinische Hilfe ist erforderlich, wenn neben dem Schwindel beispielsweise folgende Beschwerden auftreten:
- Lähmungserscheinungen
- Taubheitsgefühle
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- starke neue Kopfschmerzen
- Bewusstseinsstörungen
- erhebliche Schwierigkeiten beim Gehen
- plötzlich auftretende deutliche Hörminderung
Solche Symptome können auf einen neurologischen Notfall hinweisen und dürfen nicht ausschließlich einem Problem des Innenohrs zugeschrieben werden.
Auch hohes Fieber, starke Ohrenschmerzen oder ein deutlich verschlechterter Allgemeinzustand sollten ärztlich abgeklärt werden.
Innenohrentzündung oder andere Schwindelerkrankung?
Schwindel ist ein Symptom und keine eigenständige Diagnose. Verschiedene Erkrankungen können sehr ähnliche Beschwerden hervorrufen.
Beim gutartigen Lagerungsschwindel treten beispielsweise kurze Schwindelattacken vor allem bei bestimmten Kopfbewegungen auf. Die Ursache liegt in kleinen Kristallen im Gleichgewichtsorgan.
Bei Morbus Menière können wiederkehrende Schwindelattacken zusammen mit Hörminderung, Ohrgeräuschen und einem Druckgefühl im Ohr auftreten.
Eine Vestibularisneuritis führt typischerweise zu akutem, länger anhaltendem Drehschwindel und Gleichgewichtsstörungen, ohne dass eine ausgeprägte Hörminderung zum typischen Krankheitsbild gehört.
Eine Innenohrentzündung mit Beteiligung des Labyrinths kann dagegen sowohl das Gleichgewicht als auch das Hören beeinträchtigen.
Diese Unterschiede zeigen, warum eine genaue Diagnose wichtig ist.
Innenohrentzündung bei Kindern
Auch Kinder können Erkrankungen des Innenohrs entwickeln. Die Beschwerden können sich bei ihnen jedoch anders äußern als bei Erwachsenen.
Ein Kind kann beispielsweise plötzlich unsicher laufen, häufig stolpern, sich an Gegenständen festhalten oder über Übelkeit klagen. Wenn das Kind bereits gut sprechen kann, kann es außerdem Schwindel oder Hörprobleme beschreiben.
Bei kleinen Kindern ist die Beurteilung schwieriger. Auffällige Gleichgewichtsstörungen, plötzliches ungewöhnliches Verhalten oder eine vermutete Hörminderung sollten deshalb ärztlich untersucht werden.
Kann eine Innenohrentzündung Folgeschäden verursachen?
Der Ausgang hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Erkrankung ab. Viele Beschwerden können sich wieder deutlich verbessern. In einigen Fällen können jedoch länger anhaltende Gleichgewichtsstörungen oder eine bleibende Hörminderung zurückbleiben.
Das Risiko von Folgeschäden ist unter anderem davon abhängig, welche Strukturen betroffen sind und welche Erkrankung tatsächlich vorliegt.
Eine frühzeitige medizinische Abklärung ist deshalb besonders bei Hörverlust wichtig. Sie ermöglicht es, behandelbare Ursachen möglichst schnell zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Fazit
Eine Innenohrentzündung beziehungsweise Labyrinthitis kann erhebliche Beschwerden verursachen. Besonders typisch sind plötzlich auftretender Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Wenn zusätzlich eine Hörminderung oder Ohrgeräusche auftreten, kann auch das Hörsystem des Innenohrs betroffen sein.
Die Ursachen sind unterschiedlich und reichen von infektiösen Auslösern bis zu anderen entzündlichen Prozessen. Deshalb richtet sich die Behandlung immer nach der individuellen Diagnose.
Bei starkem oder erstmaligem Schwindel sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Eine plötzlich auftretende Hörminderung sollte besonders zeitnah abgeklärt werden. Gleichzeitig auftretende neurologische Warnzeichen wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen erfordern sofortige medizinische Hilfe.
Der Verlauf einer Innenohrentzündung ist nicht bei allen Menschen gleich. Während sich der akute Schwindel häufig wieder bessert, können Gleichgewichtsstörungen oder Hörprobleme länger bestehen bleiben. Eine gezielte vestibuläre Rehabilitation kann bei anhaltenden Gleichgewichtsbeschwerden eine wichtige Rolle spielen.
Wichtig ist daher, Schwindel nicht vorschnell als harmlose Innenohrerkrankung einzuordnen. Eine genaue Diagnose bildet die Grundlage für eine passende Behandlung und hilft dabei, ernsthafte andere Ursachen rechtzeitig auszuschließen.
